Nachhaltigkeit und Konsum in der Schweiz: Zwischen Ressourcenschutz und wirtschaftlicher Unsicherheit
Umweltbelastung durch Konsum und Produktion
Die Schweiz verbraucht weiterhin zu viele Ressourcen. Das Magazin «die umwelt» des Bundesamts für Umwelt beleuchtet in seiner Ausgabe 4/2024 das Thema Lebensmittelverschwendung. Demnach gehen in der Schweiz pro Person und Jahr rund 330 Kilogramm Lebensmittel verloren. Die Publikation analysiert die Gründe für diese Verschwendung und gibt Tipps zur Reduktion von Food Waste.
Unter Ressourcenverbrauch versteht man die Nutzung von Rohstoffen, Energie, Wasser, Boden und weiteren Ressourcen durch menschliche Tätigkeiten. Dabei lassen sich drei Formen unterscheiden: Der direkte Verbrauch durch individuellen Konsum, der indirekte Verbrauch durch Produktionsprozesse sowie der verborgene Verbrauch für die Erzeugung von Rohstoffen. Hoher Verbrauch führt zu Umweltbelastungen wie Artenvielfaltverlust, Bodendegradation, Wasserknappheit und Klimawandel.
Messung und Reduktionsstrategien
Zur Messung dienen Indikatoren wie der ökologische Fussabdruck, die Materialflussanalyse oder der Wasserverbrauch. Zur Reduktion eignet sich das Prinzip Reduce, Reuse, Recycle: Der Verbrauch soll reduziert, Produkte länger genutzt und Abfall durch Wiederverwendung minimiert werden.
Nachhaltiges Wohnen und energetische Sanierung
Die Gebäudehülle stellt einen zentralen Hebel für Ressourceneffizienz dar. Bei typischen Einfamilienhäusern entweichen rund 13 Prozent der Energie für Heizung, Warmwasser und Elektrizität durch die Fenster. Moderne Fenster verlieren heute weniger als die Hälfte der Wärme im Vergleich zu Vorgängern vor 25 Jahren und kosten real inflationsbereinigt rund ein Viertel weniger.
Fenstermarkt und technische Entwicklung
Der Schweizer Fenstermarkt stabilisierte sich 2021 bei rund 1,87 Millionen Fensterflügeln. Die Herstellererlöse wuchsen um 10,7 Prozent auf rund 898 Millionen Franken, wobei das Wachstum ausschliesslich preisgetrieben war – der Durchschnittspreis pro Flügel stieg um 10,8 Prozent. Die Branche bietet Lösungen aus Holz, Kunststoff, Holz-Aluminium sowie Aluminium.
Bei Sanierungen kosten einfache Massnahmen wie Wärmeschutzgläser und Dichtungen rund 400 Franken pro Quadratmeter, während der Einbau moderner dreifach verglaster Fenster inklusive Anschlüssen rund 1200 Franken pro Quadratmeter erfordert. Energieeffiziente Fenster können den Verkaufswert einer Immobilie um 2 bis 3,5 Prozent steigern.
Solarenergie-Potenziale auf Schweizer Dächern
Die solare Einstrahlung auf die Schweiz ist 200-mal höher als der jährliche Energieverbrauch. Eine Studie der ZHAW ermittelte ein Potenzial von 264 Quadratkilometern nutzbarer Dachfläche für Photovoltaik-Module – dies entspricht 60 Prozent der geeigneten Dachflächen. Bei vollständiger Ausschöpfung könnten 95 Prozent der Gebäude mit mindestens einer PV-Anlage ausgestattet werden.
Der Markt für Photovoltaik wuchs 2023 um 50 Prozent auf 1640 Megawatt neu installierter Leistung. Für die Erreichung der Klima- und Energieziele muss der jährliche Zubau jedoch auf über 2000 Megawatt steigen. Im Gegensatz dazu verzeichnet der Solarwärmemarkt seit 2013 einen Rückgang, obwohl die Technologie zur Dekarbonisierung beitragen könnte.
Verändertes Konsumverhalten und wirtschaftliche Aussichten
Die Schweizer Bevölkerung zeigt sich zunehmend sparsam. Laut dem «Konsum Monitor» wollen 32 Prozent der Befragten 2026 weniger Geld ausgeben als im Vorjahr. Bei Personen unter 45 Jahren liegt dieser Anteil bei 41 Prozent. Besonders betroffen sind Gebrauchsartikel (37 Prozent wollen sparen) und Kleidung (35 Prozent).
Regionale Unterschiede und Markenloyalität
Die Sorgen sind regional unterschiedlich verteilt: Während in der Deutschschweiz 52 Prozent keine finanziellen Sorgen haben, bezeichnen 61 Prozent in der Westschweiz und 59 Prozent im Tessin ihre Lage als angespannt oder schwierig.
Schweizer Konsumenten gelten als preisbewusst, schätzen jedoch Qualität und Nachhaltigkeit. Sie sind loyal gegenüber vertrauenswürdigen Marken und bevorzugen direkte, ehrliche Kommunikation. Angesichts der Sparabsichten dürften sich die Umsätze bei Möbelhändlern und Elektronikanbietern merklich verändern – rund ein Viertel plant, bei IKEA weniger auszugeben, über ein Fünftel bei Galaxus oder Media Markt.
Bei Lebensmitteln hingegen planen die wenigsten Einsparungen. Hier wird eher auf günstigere Eigenmarken bei Grossverteilern gesetzt, während das Budget insgesamt konstant bleibt.