Moderne Fensterfertigung: Von CNC-Technologie bis Sicherheitsglas

CNC-Technologie und Automatisierung in der Produktion

Die Anforderungen in der Fensterfertigung sind massiv gestiegen: Fenster werden größer, schwerer und individueller. Herkömmliche Fertigungsmethoden stoßen hier an ihre Grenzen. Moderne CNC-Bearbeitungszentren bieten hierfür die nötige Flexibilität und Präzision.

Bearbeitungszentren für jeden Betriebstyp

Für den Einstieg in die CNC-Fertigung eignen sich Fahrportal-Bearbeitungszentren wie die CENTATEQ P-310 von HOMAG. Sie ermöglichen die universelle Bearbeitung von Fenstern, Türen und Sonderelementen und beherrschen auch Platten- und Massivholzbearbeitung.

Für höchste Stabilität und Effektivität steht die Baureihe CENTATEQ P-500 mit schwerem SORB TECH Mineralguss-Maschinenbett zur Verfügung. Die Spitze der Automatisierung bildet die CENTATEQ S-800|900-Serie: Sie ermöglicht die automatisierte Fensterfertigung vom Einstieg bis zum industriellen Mehrschichtbetrieb mit autonomer Beschickung und Entnahme. Durch einen Konsolen-Zusatztisch lassen sich sogar Bögen- und Flächenteile bearbeiten – eine Maschine für alle Bauteile.

Auch WEINIG bietet mit der SOLID CNC CR-Serie Lösungen für Handwerk und Industrie. Diese Profiliercenter ermöglichen die komplette Rahmenbearbeitung in einer Aufspannung – vom Ablängen über das Zapfen und Schlitzen bis zum Umfraisen verleimter Flügel ohne Werkzeugwechsel. Damit lässt sich selbst Losgröße 1 wirtschaftlich fertigen.

Sicherheitsglas und Materialtechnologie

Die Wahl des richtigen Glases ist entscheidend für Sicherheit, Energieeffizienz und Design. Neben Basis-Floatglas, das auf einem Bad aus flüssigem Zinn schwimmt und so seine planparallele Oberfläche erhält, kommen vor allem vorgespannte und verbundene Gläser zum Einsatz.

ESG, TVG und VSG im Vergleich

Einscheibensicherheitsglas (ESG) wird thermisch vorgespannt und ist etwa fünfmal so bruchfest wie Floatglas. Beim Bruch zerfällt es in kleine, stumpfkantige Stücke, was das Verletzungsrisiko minimiert. Es wird für Duschkabinen, Glastüren und Fassaden verwendet.

Teilvorgespanntes Glas (TVG) wird langsamer abgekühlt als ESG und weist daher eine geringere Eigenspannung auf. Es zeichnet sich durch ein Bruchbild aus größeren, stumpfkantigen Fragmenten aus, die sich ineinander verzahnen und so eine Resttragfähigkeit bieten. TVG wird häufig als 2 x TVG in Verbundsicherheitsglas (VSG) eingesetzt, etwa für Überkopfverglasungen, Brüstungen oder begehbare Verglasungen.

VSG besteht aus mindestens zwei Scheiben, die durch eine reißfeste PVB-Folie verbunden sind. Die Folie hält die Splitter zusammen und erschwert das gewaltsame Eindringen. Für absturzsichernde Verglasungen (nach DIN 18008-4) und begehbare Flächen (DIN 18008-5) ist VSG Standard, oft in Kombination mit TVG oder ESG.

Gewicht und Belastbarkeit

Das Gewicht von Glas ist entscheidend für die Konstruktion. ESG und TVG wiegen pro Quadratmeter identisch wie Floatglas, da nur die thermische Behandlung variiert. Als Faustregel gilt: 2,5 kg pro mm Glasdicke und m².

GlasdickeGewicht pro m² (ca.)
4 mm10 kg
6 mm15 kg
8 mm20 kg
10 mm25 kg
12 mm30 kg

Bei VSG addiert sich das Gewicht der Folie (ca. 0,45–0,5 kg/m² für 0,38 mm PVB) zu dem der Glasdeckschichten.

Isolierglas für Wärme- und Schallschutz

Isolierglas (MIG) besteht aus zwei oder mehr Scheiben, die durch einen hermetisch abgedichteten Scheibenzwischenraum (SZR) getrennt sind. Dieser ist mit Luft oder Edelgasen wie Argon gefüllt und verbessert Wärmedämmung und Schallschutz deutlich. Beschichtungen auf den Scheiben können zusätzlich Sonnen- oder Wärmeschutzfunktionen übernehmen.

Qualitätskontrolle und optische Phänomene

Die Qualitätsüberwachung ist ein zentraler Bestandteil der modernen Glasproduktion. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Anisotropie, einem physikalischen Effekt thermisch vorgespannter Gläser.

Anisotropie: Ursachen und Bewertung

Beim Vorspannen entstehen ungleichmäßige Eigenspannungen, die das Glas optisch doppelbrechend machen. Unter polarisiertem Licht (z. B. Sonnenbrillen oder bei tief stehender Sonne) werden diese Spannungen als „Leopardenflecken“ oder regenbogenfarbene Streifen sichtbar. Nach EN 12150-1 stellt Anisotropie keinen Glasfehler dar, doch für hochwertige Fassaden ist eine Minimierung dieser Effekte oft gewünscht.

Die DIN SPEC 18198 bietet erstmals objektive Kriterien zur Einstufung in Qualitätsklassen (A, B oder C), während die ASTM C1901-21 ein Messverfahren für die optische Verzögerung in Nanometern definiert.

Automatisierte Prüfverfahren

Moderne Anisotropie-Scanner wie der Temper Scanner von Viprotron ermöglichen die Inline-Überwachung direkt hinter dem Vorspannofen. Mit polarisiertem Licht wird jede Scheibe bei voller Produktionsgeschwindigkeit geprüft. Dies liefert objektive Messdaten für die Dokumentation, reduziert Reklamationen und ermöglicht die Prozessoptimierung durch gezielte Anpassung von Kühlparametern.

Weitere Verfahren umfassen die automatische Oberflächeninspektion zur Fehlererkennung (Kratzer, Einschlüsse) sowie die zerstörungsfreie Bestimmung des Zinngehaltes auf Floatglasoberflächen, um Qualitätsbeeinträchtigungen wie den „Bloom-Effekt“ zu vermeiden.

Innovationen in Konstruktion und Design

Asthetische und funktionale Anforderungen treiben die Entwicklung neuer Fenstersysteme voran. Der Trend geht zu maximaler Transparenz und schlanken Profilen.

Panoramafenster und Tageslichtoptimierung

Panoramafenster sind grosse Fenster, die oft bodentief eingebaut werden und Wohnraum sowie Natur scheinbar verschmelzen lassen. Durch schmale Rahmenprofile ist der Glasanteil um bis zu 20 % höher als bei herkömmlichen Systemen, was nach der europäischen Tageslichtnorm EN 17037 optimale Lichtverhältnisse schafft. Anbieter wie glas & planung AG oder Rumpfinger setzen hier auf schlanke Systeme. Für Dachräume bietet FAKRO mit dem FEP P2 ein Panoramafenster mit Notausstiegsfunktion und erhöhtem Einbruchschutz (topSafe System).

Trockenverklebung für schlanke Profile

Die TapeLine-Technologie von HOMAG ermöglicht die Trockenverklebung der Glasscheibe im Glasfalz. Dabei ersetzt ein Klebeband mit speziellem Primer die herkömmliche Silikonfuge. Diese Integralbauweise bietet mehrere Vorteile:

  • Weniger Holzeinsatz durch schlankere Profile und mehr Tageslicht
  • Erhohte Steifigkeit des Flügels durch den Verbund von Glas und Rahmen
  • Reduzierte Verklotzung der Scheibe (nur noch Abstandshalter nötig)
  • Kürzere Fertigungszeiten und einfache Montage durch geschraubte Eckverbindungen
  • Bessere Wärmedämmung (reduzierte Wärmebrücken) und erhöhter Einbruchschutz

Für höchste Transparenz sorgt vetroTherm View von Flachglas (Schweiz) AG, ein reflexionsarmes Glas für Vitrinen und Panoramascheiben, das störende Spiegelungen minimiert.

Gesamtkonzepte und Systemintegration

Über einzelne Maschinen hinaus bieten Hersteller heute komplette Produktionsstränge an. HOMAG Systems plant und liefiert Lösungen vom Rohmateriallager bis zum Versand – als Stand-Alone-Zellen oder vollverkettete Linien. Als Premium-Partner der KFTH (Kooperationsgruppe Fenster- und Türen fürs Handwerk) vereint HOMAG über 25 Jahre Erfahrung in der automatisierten Fensterfertigung.

Auch WEINIG bietet mit seinen Systemlösungen eine durchgängige Integration von CNC-Technik und Mechanisierung. Diese ganzheitlichen Ansätze ermöglichen es Betrieben jeder Größe, schlank, effektiv und flexibel zu fertigen und dabei höchste Qualitätsstandards zu wahren.